Am Anfang stand ein Herzenswunsch ...

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Wien - Tel Aviv

Der Verein „Wien – Tel Aviv“ ist eine kleine Gruppe von Idealisten, die sich der Aufgabe verschrieben hat, die österreichisch-jüdische Kultur in Israel zu erhalten und zu fördern. Mit großem persönlichen Engagement – allen voran durch die Obfrau Judith Weinmann-Stern – arbeitet der Verein an der Verwirklichung dieser Idee, die sich mittlerweile zu einem der renommiertesten Projekte in der österreichisch-israelischen Zusammenarbeit entwickelt hat.

Der große Erfolg dieses Projektes liegt nicht zuletzt darin, dass es noch viele Exil-ÖsterreicherInnen in Israel gibt und auch die nächste und übernächste Generation an der Kultur ihrer österreichischen Eltern bzw. Großeltern sehr interessiert ist.

 

Die Vorstandsmitglieder und ihre Funktionen

Obfrau: Judith Weinmann-Stern
Obfrau-Stv.: Dr. Timothy Smolka
Kassierin: Clarissa Lassar
Kassierin-Stv.: Roman Grinberg
Schriftführer: Ronald Leopoldi
Rechnungsprüfer: Dr. Raoul Kneucker
Rechnungsprüfer: Georg Stern

v.l.n.r: Georg Stern, Raoul Kneucker, Ronald Leopoldi, Roman Grinberg, Clarissa Lassar, Judith Weinmann-Stern, Timothy Smolka

 

 

Der Grundgedanke und die Motivation, Österreichische Kulturtage in Tel Aviv zu veranstalten, entstand aus dem Wunsch heraus, den in der dunkelsten Zeit Europas aus Österreich geflüchteten und vertriebenen Exil-Österreichern die Musik und Kultur wieder zu bringen, mit der sie aufgewachsen sind und die sie an ihre unbeschwerte Kindheit und Jugend erinnert.

Gleichzeitig wollte ich Werke von Künstlern und Autoren auf die Bühne bringen, die ebenfalls Betroffene des NS-Terrors waren und deren Musik in Österreich damals als „entartet“ galt und verboten war. Ich wollte diesen Kreis in Israel – der einzigen jüdischen Heimstätte, wie Theodor Herzl sehr früh erkannt hatte – schließen.

Motivation
(oder wie alles entstand)

von Judith Weinmann-Stern

Aus diesem Herzenswunsch heraus veranstaltete ich im Mai 2013 zum ersten Mal die „Österreichische Kulturtage in Tel Aviv“. Die glänzenden Augen und die strahlenden Gesichter dieser betagten Menschen werde ich nie vergessen. Sie schunkelten und sangen die Lieder, als ob sie erst wenige Monate zuvor Österreich verlassen hätten. Die älteste Besucherin war 101 Jahre alt, der Altersdurchschnitt lag zwischen 85 und 95 Jahren.

Ich war überglücklich aber auch betroffen, denn diese Intensität an emotionaler Reaktion hatte ich nicht erwartet. Ich hatte gar nicht vor, aus meinem Herzenswunsch ein Projekt zu machen, aber es kam ganz anders: Nach der letzten Vorstellung wurde ich auf die Bühne „gebeten“, um nicht zu sagen „gezerrt“ und musste das Versprechen abgeben, dass es eine Fortsetzung geben wird.

Um dieses Versprechen halten zu können, gründete ich den Verein „Wien – Tel Aviv“ und im November 2014 habe ich mit diesem tollen Team von Idealisten die 2. Auflage der Österreichischen Kulturtage in Tel Aviv mit sechs (!) Vorstellungen auf die Bühne gebracht. Die älteste Besucherin der 1. Kulturtage war wieder dabei – diesmal mit fast 103 Jahren – und sie sang die Hermann Leopoldi Lieder mit Andrea Eckert Wort für Wort mit. Im November 2016 fanden die 3. Österreichischen Kulturtage statt, und im Februar 2018 folgt die nächste Auflage. Die Österreichischen Kulturtage in Tel Aviv finden alle zwei Jahre statt.

Judith Weinmann-Stern

Judith Weinmann-Stern

 

So ist aus meinem Herzenswunsch ein sehr beglückendes Projekt geworden, das nicht nur jenen, die aus Österreich flüchten mussten, ein wenig Erinnerung an ein früheres Zuhause-Gefühl gibt, sondern zugleich auch der heutigen, in Israel lebenden Nachfolger-Generation der Holocaust-Opfer ermöglicht, die Gedanken und die Welt ihrer österreichischen Vorfahren kennenzulernen und möglicherweise so die eigene Identität abzurunden.